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Autor des Fotos Ventspils muzejs

Erscheinungsdatum 08.03.2023

In der Ausstellungshalle der Livländischen Ordensburg ist derzeit die Ausstellung „Bewegte Bilder. Filmgeschichte in Ventspils“ zu sehen. Die Historikerin Māra Dāvida bietet einen Einblick in die Filmgeschichte von Ventspils zwischen den Weltkriegen.

Der Erste Weltkrieg ist vorbei, und die Bewohner von Ventspils haben den roten und weißen Terror überstanden. Trotz bescheidener Möglichkeiten bemühen sie sich, das Leben vor dem Krieg wiederherzustellen. Auch das Kino „Koloseum“ nimmt seine Arbeit wieder auf. Der Erste Weltkrieg ist vorbei, und die Bewohner von Ventspils haben den roten und weißen Terror überstanden. Trotz bescheidener Möglichkeiten bemühen sie sich, das Leben vor dem Krieg wiederherzustellen. Auch das Kino „Koloseum“ nimmt seine Arbeit wieder auf. Bereits im Mai 1919 wurde dort ein nicht sehr unterhaltsamer Dokumentarfilm über den umstrittenen ehemaligen Verteidigungsminister des russischen Kaiserreichs, General Wladimir Suchomlinow, gezeigt, dem eine mangelnde Vorbereitung der zaristischen Armee zu Beginn des Ersten Weltkriegs vorgeworfen wurde.

Kinos in Ventspils

In den ersten Nachkriegsjahren besaß nur Frau M. Rutšinska, die Besitzerin des Kinos „Koloseum“, das Recht auf ein Kino in Ventspils, wofür sie der Stadt eine monatliche Gebühr von 60 Lats zahlte. Die Situation änderte sich, als Kārlis Krievs zum Bürgermeister der Stadt gewählt wurde und den Kampf um die Aufhebung des Monopols und die Erhöhung der Steuern begann. Von nun an mussten die Kinobesitzer der Stadt 20% des Ticketpreises für jede verkaufte Eintrittskarte zahlen. Statt der bisherigen 60 Lats erhielt die Stadtkasse nun monatlich 700–800 Lats. Doch die Pechsträhne der Familie Rutšinskis endete damit noch nicht, denn der Bürgermeister hatte „erwischt“, dass die Kinobesitzer 120 Personen unrechtmäßig den Status eines Ehrengastes und Freikarten verliehen hatten. Und damit nicht genug, es stellte sich heraus, dass niemand in der Kinoverwaltung Lettisch sprechen konnte. „Diese Missachtung des Staates und der Mehrheitssprache ist inakzeptabel!“ sagte der Bürgermeister Kārlis Krievs.

Bald darauf verlor das Kino „Koloseum“ das Monopol in der Stadt. Im Oktober 1924 eröffnete neben dem Kino „Koloseum“ in der Pils iela 18 (jetzt Pils iela 28) ein neues Kino namens „Pasaciņa“. Der neue Besitzer des Kinos war das Ratsmitglied und Händler Ādolfs Stūre. Das Kino mit 200 Sitzplätzen befand sich in der Pils iela 25 (jetzt Pils iela 27). Die Bewohner von Ventspils hatten nun eine große Auswahl an Filmen. Filme wurden jeden Tag in beiden Kinos gezeigt. Das Programm des neuen Kinos war sehr reichhaltig. Zum ersten Mal konnte man im Kino den Frauen-Schönheitswettbewerb sehen.

Museum Ventspils

Im Jahr 1926 gründeten Ādolfs Stūre, Indriķis Grickus, Ella Bērmans und Kārlis Geruckis (die Kinomechaniker des ältesten in Lettland gedrehten Spielfilms „Kur patiesība?“ (auf Deutsch: „Wo liegt die Wahrheit?“)) die Firma „Sabiedrība kino „Koloseums“ – A. Stūre“ und fusionierten beide Kinos. In den folgenden Jahren hatten beide Kinos unterschiedliche Programme.

Im Jahr 1929 wurde in der Halle der ehemaligen Firma „Družba“ das dritte Kino namens „Moulin Rouge“ eröffnet (heute das Kulturzentrum Ventspils in der Kuldīgas iela 18), das einfach „Rote Mühlen“ genannt wurde. Der Eingang zum neuen Kino befand sich an der Ecke des Gebäudes, über dem sich dekorative, kontinuierlich drehende Mühlen befanden. Hier wurden die Filme nur am Wochenende gezeigt.

Museum Ventspils
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Kinoprogramm

Das Kino „Koloseum“ oder „Kolizejs“ war das beliebteste Kino unter Kinoliebhabern, wo hauptsächlich Melodramen mit den berühmtesten Filmstars der 1920er Jahre gezeigt wurden. Man konnte hier Meisterwerke wie „Casanova“ mit dem russischen Schauspieler Ivan Mosjoukine in der Hauptrolle, „Anna Karenina“ mit Greta Garbo sowie den weltberühmten Film „Der Blaue Engel“ sehen, der die 29-jährige Schauspielerin Marlene Dietrich zu Weltruhm brachte. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass das lettische Bildungsministerium im Gegensatz zum Rest Europas den Film verbot, weil er den festgelegten moralischen Normen nicht entsprach. Dies dauerte jedoch nicht lange. Obwohl der Film zensiert wurde, kam er in die lettischen Kinos.

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Die Vorführung des ersten Tonfilms „Der singender Narr“ war ebenfalls eine ernsthafte Herausforderung für den lettischen bürokratischen Apparat. Obwohl sprechende Filme oder Tonfilme im Ausland mit großer Begeisterung erwartet wurden, verursachten sie unseren Gesetzeshütern nur Kopfschmerzen. Das Gesetz schrieb die Übersetzung des Textes in die lettische Sprache vor. Es gab keine Probleme mit Stummfilmen, bei denen der Text sehr gering war. Man wusste jedoch nicht genau, was mit sprechenden und singenden Schauspielern zu tun. In der Presse wurden verschiedene Gedanken geäußert. Einige schlugen vor, Tonfilme als Gastaufführungen berühmter Schauspieler zu betrachten, bei denen verschiedene Genehmigungen eingeholt werden mussten, während andere das Talent der Schauspieler in Tonfilmen im Vergleich zu Stummfilmen in Frage stellten. Wie auch immer, im Februar 1931 wurde der erste Tonfilm „Der singende Narr“ im „Koloseum“ in Ventspils gezeigt. Die Besitzer des Kinos verkündeten stolz, dass ab jetzt im Kino „Koloseum“ nur noch Tonfilme gezeigt werden würden.

In den 1930er Jahren wurden Kinderfilme nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen mit der weltberühmten Shirley Temple in der Hauptrolle populär. Die Auftritte des kleinen, liebenswerten Mädchens auf der Kinoleinwand in Filmen wie „Lockenköpfchen“, „Heidi“ usw. zogen immer große Zuschauermassen an.

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Im Gegensatz zum „Koloseum“ war das Kino „Pasaciņa“ bei den Straßenjungs beliebt. Tagelang trieben sie sich an den Kinofenstern herum, in denen bunte Plakate und Fotos ihrer Lieblingsfilmhelden hingen. Im Kino „Pasaciņa“ wurden hauptsächlich Cowboy-Filme, die sogenannten Westerns, und Komödien wie „Pat und Patachon“, „Dick und Doof in der Fremdenlegion“, usw. gezeigt. Als der Name von Harry Piel auf den Plakaten erschien, war das Kino überfüllt.

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Koloseum“ wird zum erstklassigen Kino

Zu Anfang der 1990er Jahre erlebte das bei den Bewohnern von Ventspils beliebte Kino “Koloseum” bedeutende Veränderungen. Die Besitzer von „Koloseum“ führten eine umfangreiche Renovierung oder besser gesagt, einen Umbau des Kinos, durch. Der Kinosaal erhielt sein heutiges Aussehen. Der Umbau kostete 120 000 Lats, aber das Ergebnis war beeindruckend. Die Anzahl der Sitzplätze im Saal hatte sich verdoppelt – jetzt konnten dort 700 Zuschauer Filme genießen.

Die Sitzplätze waren auf zwei Ebenen angeordnet – im Saal und auf dem Balkon. Heutzutage ist das üblich, aber in den 1930er Jahren war eine solche Anordnung der Sitze nur in Kinos der oberen Klasse üblich, zu denen „Koloseum“ nun gehörte. Die besten Plätze befanden sich in den Logen. Auf dem Balkon befand sich eine Reihe von Logen, unter denen die feinste die sogenannte „Fünfte Loge“ war, die sich in der Mitte des Balkons befand und für VIP-Personen reserviert war. Im Saal unter dem Balkon auf einer kleinen Erhöhung befanden sich Parterre-Logen mit je 4 bis 6 Plätzen.

Die Wände des Saals waren mit akustischem Stoff in hellem Braun überzogen. Auch die Stühle waren mit Stoff überzogen. An der Decke des Saals hingen drei riesige Kronleuchter mit Kristallanhängern – echte Kronleuchter, von denen jeder mindestens 50 Glühbirnen hatte. Vor Beginn des Films wurde das Licht in den großen Kronleuchtern langsam schwächer, bis es ganz ausging, und die ersten Szenen wurden bereits auf der Leinwand gezeigt. . Am unteren Rand der Leinwand befand sich ein Band für Untertitel, auf dem die Übersetzung projiziert wurde. Unter der Leinwand befand sich eine spezielle Konstruktion für das Orchester, die für die Vorführung stummer Filme eingerichtet war. Die Begleitung für die Stummfilme spielte ein Pianist, auch „Kinomusiker“ genannt. Oft spielte die Frau des Besitzers des Fotostudios „Konkurence“ die Begleitung für Filme, aber zwischen den Vorstellungen unterhielt der damals populäre Unterhaltungskünstler Herr Rutkovskis das Publikum. In den 1930er Jahren wurde neben dem Filmprojektor eine Schallplatte mit Tonaufnahmen eingeschaltet. Später wurde sie durch einen Filmstreifen mit einer bereits installierten optischen Tonspur und darin aufgezeichnetem Ton ersetzt.

Im Herbst 1939, als die Kinobesitzer wechselten, wurde der Betrieb nur noch in einem Kino fortgesetzt. Das ehemalige Kino „Koloseum“ setzte seine Arbeit unter einem neuen Namen „Aina“ fort.

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